Theorieprüfung 2009 in Hessen nur am TÜV-PC möglich

Theorieprüfung 2009 in Hessen nur am TÜV-PC möglich

ls eines der ersten Bundesländer hat Hessen flächendeckend die theoretische Führerscheinprüfung am Computer eingeführt. Die sogenannte PC-Prüfung hat die bisher üblichen Papierfragebögen vollständig ersetzt und kann seit Jahresbeginn nur noch am PC des TÜV Hessen abgelegt werden. Hierfür wurden mehr als 40 hessische Service-Center vom TÜV Hessen mit rund 440 Prüfplätzen (Rechner und PC-Bildschirme) ausgestattet. Nach Ansicht des TÜV Hessen werden die Prüfungsver-fahren durch die elektronische Wissensabfrage verständlicher, bedienungsfreundlicher und sicherer vor Manipulationen.

Der TÜV Hessen ist überzeugt: Die Umstellung von Papier auf Computertechnik ist auch ein Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit. Die Aufgabenformate (Fragenkatalog und Fragenzusammenstellung) bleiben zunächst gleich, sollen aber perspektivisch weiterentwickelt werden. Ab dem Jahr 2011 ist die Einbindung von computergestützten Inhalten, wie beispielsweise Filmsequenzen, in die theoretische Führerscheinprüfung geplant. Dadurch soll die Prüfung in Zukunft noch praxisnäher werden.

Die Einführung der computergestützten theoretischen Fahrerlaubnisprüfung gehört zu einem Bündel von mehreren in den vergangenen Jahren eingeführten Neuerungen wie zum Beispiel die Optimierung der Fahrschulausbildung, der Weiterentwicklung des Führerscheins auf Probe und das begleitete Fahren ab 17, die eine verbesserte Fahranfängervorbereitung und damit die Senkung des Unfallrisikos von Fahranfängern zum Ziel haben. Hintergrund ist eine EU-Charta, die bis 2010 in Gesamteuropa umgesetzt werden soll und die Halbierung der Anzahl von Verkehrstoten zum Ziel hat.

Zweijährige Testphase in Hessen

„Wir haben an ausgewählten TÜV-Standorten eine Testphase von zwei Jahren hinter uns. Damit waren wir eines der ersten Bundesländer, das Erfahrungen sammeln konnte mit der Bearbeitung der Fragen am Computer“, erklärt Ernst Biemer, Leiter der Technischen Prüfstelle in der Technischen Überwachung Hessen. Das hessische Verkehrs- und Wirtschaftsministerium hatte die Testphase ermöglicht, indem es damals die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen schuf. So konnten vor dem offiziellen Start bereits mehrere tausend Fahrschüler in Hessen an einem PC ihre Theorieprüfung ablegen. Mithilfe dieser Daten konnte die mit der Entwicklung einer modernisierten Fahrerlaubnisprüfung beauftragte Arbeitsgemeinschaft der TÜV (argeTP21) in Dresden die technischen Voraussetzungen so weiter entwickeln, dass seit 2008 eine flächendeckende Einführung der elektronischen Wissensabfrage möglich war.

Ständige Evaluation der Prüfung sorgt für hohe Qualität

Bei der PC-Prüfung findet beständig eine Evaluation statt. Die anonymisierten Ergebnisse der bearbeiteten Fragen werden umgehend an die argeTP21 zur Weiterentwicklung der Fragenkataloge übersandt. So kann etwa festgestellt werden, welche Fragen besonders häufig falsch beantwortet werden, was ein Nachdenken über Gründe und Maßnahmen erforderlich macht. Dadurch erfolgt eine kontinuierliche Optimierung der Prüfung. Und Änderungen sind in der Software deutlich leichter durchführbar, als wenn erst aufwändig neue Bogen gedruckt werden müssen. Neue Aufgabenformate, die derzeit in der Entwicklung und Erprobung sind, sollen die Qualität der Prüfung weiter verbessern und damit einen Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit leisten.

Die Fragen am PC zu beantworten bietet eine ganze Reihe von Vorteilen

Und die Pluspunkte des neuen Prüfverfahrens? Die Handhabung ist einfach und ein Vergessen einer Frage nicht mehr möglich. Der Computer zeigt immer an, wieviele Fragen noch zu lösen sind. Es erscheint immer nur eine Frage auf dem Bildschirm, auf die sich der Bewerber besser konzentrieren kann. Bevor der Prüfling den Test beenden kann, überprüft der Computer automatisch, ob alle Fragen beantwortet sind. Wenn nicht, wird der Führerscheinanwärter darauf aufmerksam gemacht und erhält die Möglichkeit, zur ausgelassenen Frage zurückzukehren.

Automatische Auswertung: Schnell und sicher

Die Auswertung der Prüfung erfolgt nun automatisch, dadurch sind eventuelle Fehler des Prüfers ausgeschlossen. Der Prüfungsablauf ist zügiger und der Bewerber erhält umgehend sein Ergebnis.

Rollierende Antworten: Schematisches Auswendiglernen reicht nicht mehr aus

Auch wenn zunächst der bisherige Fragenkatalog und die bisherige Fragenzusammenstellung beibehalten werden, wird durch die variable Reihenfolge der Antworten eine höhere Sicherheit vor Manipulationen erreicht. Durch die rollierenden Antworten nach dem Zufallsprinzip wird das schematische Auswendiglernen der Antworten unsinnig. Etwa 1500 Fragen für alle Fahrerlaubnisklassen umfasst der Katalog, der dem System zugrunde liegt. Auch die Fragen selbst sollen in Zukunft rollieren. Schüler, die sich zuvor durch simples visuelles Lernen auf die Prüfung vorbereitet hätten, werden nun vermutlich dem Unterricht sehr viel intensiver folgen. Sie müssen sich intensiver mit den Verkehrsregeln befassen und diese wirklich verstehen, was ein deutlicher Gewinn für die Verkehrssicherheit sein kann.

Wer durchfällt, erhält ein Fehlerprotokoll

Neu ist auch, dass der Proband bei nicht bestandener Prüfung ein nachvollziehbares Fehlerprotokoll ausgehändigt bekommt. Auf dem Papier sind die Themengebiete mit den falschen Antworten aufgelistet. Es zeigt ihm und dem Fahrlehrer, in welchen Bereichen es gehapert hat und hilft, sich gezielt auf die Wiederholungsprüfung vorzubereiten.

Audiounterstützung und elf Sprachen

Das Programm bietet auch Arbeitshilfen für die Prüflinge wie beispielsweise eine Sprachunterstützung für leseschwache Bewerber. Diese Prüfungsvariante ist durch die EDV-Unterstützung sogar günstiger geworden (47,84 Euro), allerdings nur noch in deutscher Sprache möglich. Die Prüfung in Fremdsprachen muss nicht mehr vorab beantragt werden, denn die Programme beherrschen elf amtlich zugelassene Fremdsprachen. Prüfungen mit amtlich anerkannten Dolmetschern in weiteren Sprachen wurden dagegen abgeschafft.

Demnächst können Fahrschulen online Prüfplätze buchen

Im Frühjahr 2009 wird der TÜV Hessen im Internet ein komfortables System für Fahrschulen anbieten, in dem sie Prüfplätze für Theorieprüfungen ihrer Bewerber beantragen und buchen können. Die computergestützte Theorieprüfung für alle Führerscheinklassen kostet 20,83 Euro. Abweichende Gebühren werden nur fällig für die Mofa-Prüfung und die Prüfung mit Audiounterstützung.

Mehrfache Systemsicherung schließt Missbrauch aus

Die beim TÜV Hessen eingesetzten Rechner sind sogenannte Thin Clients, also spezielle Netzwerk-Rechner ohne eigene Funktionen. Auf diesen reinen Eingabeautomaten sind keine Daten gespeichert. Die Daten liegen auf einem geschützten und alarmgesicherten Zentralserver, zu dem die einzelnen Client-Rechner während des Prüfbetriebs Verbindung aufnehmen. Um auf das Betriebssystem zugreifen zu können, verwenden zugriffsberechtigte FE-Prüfer ihren persönlichen Authentifizierungs-Datenstick. Eine doppelte Sicherung erfordert zudem die Eingabe der persönlichen PIN-Registrierungsnummer. Erst dann ist das System betriebsbereit.

TÜV-Prüfräume stehen auch anderen für Schulungen zur Verfügung

Der TÜV Hessen weist darauf hin, dass die Mehrzweckräume der TÜV Service-Center, in denen die PC-Prüfungen stattfinden, auch anderen Organisationen, Vereinen und Interessengruppen für Schulungszwecke zur Verfügung stehen. Die Räume bieten ausreichend Platz und sind flexibel nutzbar, beispielsweise für Erste-Hilfe-Kurse oder Fort- und Weiterbildungen. Bei Interesse steht das Personal des örtlichen TÜV service-Centers für Fragen und Auskünfte gerne zur Verfügung.

Hintergrund: Hessen vorne, Deutschland hinten dran

Hessen gehört zu den ersten Bundesländern, die die Fahrerlaubnisprüfung am PC flächendeckend eingeführt haben. Ebenfalls möglich ist die computergestützte Prüfung seit Jahresbeginn auch in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, im Saarland und ab Februar in Mecklenburg-Vorpommern. Bereits 2008 statteten die TÜVs in Brandenburg (seit 1. Januar), Berlin (1. April), Bremen (1. Juli) und Hamburg (1. November) ihre Prüfstationen mit Rechnern, Flachbildschirmen und Mäusen aus und läuteten damit in Sachen Führerscheinprüfung das digitale Zeitalter ein – selbstverständlich nur für den theoretischen Teil. Die restlichen Bundesländer, allen voran Baden-Württemberg und Bayern, werden erst im Laufe dieses Jahres bis Anfang 2010 die Einführung des Computers als Prüfmedium flächendeckend umsetzen können.

Damit übernimmt Deutschland jedoch bei weitem keine Vorreiterrolle in Europa, sondern schließt lediglich zu vielen seiner Nachbarstaaten auf: in 20 von 28 europäischen Ländern wird die Theorieprüfung bereits am PC abgelegt.

Führerscheinbewerber können sich anhand einer Demo-Version auf die Prüfung am PC vorbereiten. Das Programm steht auf der TÜV/DEKRA-Website www.argetp21.de zum Download bereit.

Weitere Infos gibt es auch unter: www.tuev-hessen.de

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