Standpunkt: ING-DiBa begrüßt besseren Schutz für Bankkunden

Standpunkt: ING-DiBa begrüßt besseren Schutz für Bankkunden

Frankfurt am Main – Mit den kürzlich im Bundeskabinett beschlossenen Gesetzesentwürfen will die Bundesregierung die Rechte von privaten Anlegern stärken. Unter anderem soll die Verjährungsfrist für Beratungsfehler von bislang drei künftig auf bis zu zehn Jahre verlängert und eine Protokollpflicht für Anlageberatungen eingeführt werden. “Das ist ein guter Schritt in die richtige Richtung”, begrüßt Ben Tellings, Vorstandsvorsitzender von Deutschlands größter Direktbank ING-DiBa, die geplanten Neuregelungen.

Insbesondere die kurze Verjährungsfrist habe viele Anleger benachteiligt, denen erst nach längerer Zeit das Ausmaß eines Fehlinvestments bewusst geworden sei und die dann wegen der Verjährung keine Haftungsansprüche mehr geltend machen konnten. “Vor allem bei komplexen Anlageprodukten wie Zertifikaten oder Beteiligungsmodellen zeigen sich die wahren Risiken manchmal erst nach Jahren”, gibt Tellings zu bedenken.

Diskrepanz zwischen Kunde und Berater
Dass es immer wieder Ärger wegen fehlerhafter Anlageberatung gibt, resultiere vor allem aus der Diskrepanz zwischen der Erwartung des Anlegers und dem Verhalten des Beraters. “Der Anleger erwartet eine neutrale und kompetente Beratung, und der Mitarbeiter der Bank will oder muss aufgrund interner Vorgaben ein Verkaufsgespräch führen”, so Tellings. Das habe zur Folge, dass häufig komplizierte und provisionsträchtige Anlageprodukte verkauft werden, obwohl für das Anlageziel des Kunden vielleicht ein Tagesgeldkonto oder ein Sparbrief sinnvoller gewesen wäre. Ob durchschnittliche Bankkunden die Funktionsweise solcher Anlageformen überhaupt verstünden, sei fraglich: “Wenn schon die Bankberater stundenlange Schulungen brauchen, um ein Produkt zu verstehen, wie sollen es ihre Kunden dann in wenigen Minuten begreifen?”

Tellings geht davon aus, dass für die meisten der alltäglichen Bankprodukte eine persönliche Beratung ohnehin überflüssig ist. Tagesgeld und Girokontoführung, Kreditkarte und Fondssparplan, sogar Immobiliendarlehen organisieren die über sechs Millionen Kunden der ING-DiBa ganz ohne Ansprechpartner am Bankschalter. Kompliziertere Geschäfte überlässt Tellings gerne den Wettbewerbern. “Es hat ja auch nach Ikea weiter Möbelspezialisten gegeben”, sagt er. “So wird es auch immer Bankfilialen geben. Die Frage ist nur, wie viele.”

“Ein hocheffizientes Konjunkturpaket”
Wie notwendig eine Verbesserung der Rechtslage für die Anleger ist, zeigen die Beträge, die Sparern wegen schlechter Finanzberatung verloren gehen: Nach einer Studie des Verbraucherministeriums sind es bis zu 30 Milliarden Euro pro Jahr. Geld, das den Geschädigten nicht nur in der Altersvorsorge, sondern auch bei der Finanzierung von Anschaffungen und Konsumgütern fehlt. Ben Tellings sieht daher die Stärkung der Anlegerrechte als Pluspunkt für die Gesamtwirtschaft: “Wenn es dem Gesetzgeber gelingt, mit einer konsequenten Weiterentwicklung des Anlegerschutzes die Schäden durch Falschberatung auf die Hälfte zu reduzieren, wäre das ein hocheffizientes Konjunkturpaket.”

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