Schlechte Aussichten trüben die Stimmung im Mittelstand

Schlechte Aussichten trüben die Stimmung im Mittelstand

* Verarbeitendes Gewerbe stark getroffen
* Investitionsneigung sinkt
* Jedes fünfte Unternehmen plant Entlassungen
* Eigenkapitalquoten leicht gesunken
* Schwache Auftragslage größtes Problem

Düsseldorf, 7. April 2009. Die negative Stimmung unter den mittelständischen Unternehmen erreicht einen neuen Tiefpunkt. Das Stimmungsbarometer sinkt um 10,8 Zähler auf 91,8 Punkte und verzeichnet damit den größten Rückgang seit Beginn der Unternehmensbefragung im Jahr 1983. Der Index, der sich aus der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage sowie der erwarteten künftigen Geschäftsentwicklung zusammensetzt, bewegt sich aktuell auf dem niedrigsten Stand seit dem Sommer 2003. An der von der WGZ BANK in Zusammenarbeit mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken im Rheinland und in Westfalen halbjährlich durchgeführten Befragung beteiligten sich mehr als 1.000 mittelständische Unternehmer.

„Die weltweite Wirtschaftskrise hat nun auch weite Bereiche des Mittelstands erfasst. Ein Wendepunkt ist leider noch nicht in Sicht“, sagt Hans-Bernd Wolberg, für das Geschäft mit den mittelständischen Firmenkunden zuständiges Vorstandsmitglied der WGZ BANK. „Ausschlaggebend für die getrübte Stimmung sind die Geschäftsaussichten für die kommenden Monate, die immer mehr Unternehmen negativ einschätzen“, so Wolberg.

Bemerkenswert ist jedoch, dass das Stimmungsbarometer der mittelständischen Unternehmen in NRW nicht noch tiefer gesunken ist. Andere Stimmungsindikatoren für die deutsche Wirtschaft wie der ifo-Index fielen auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung. „Der Mittelstand erweist sich damit trotz der Eintrübung weiterhin als ein stabilisierender Faktor für die deutsche Wirtschaft“, sagt Wolberg.

Die Stimmungsbarometer haben über alle Branchen nachgegeben, wobei der Index für das Verarbeitende Gewerbe, mit einem Minus von 16,7 Zählern auf 85,3 Punkte absolut betrachtet am stärksten einbüßte. Wolberg: „Das Verarbeitende Gewerbe wird offenbar vom Einbruch der Auslandsnachfrage besonders hart getroffen.“ Vergleichsweise moderat entwickelt sich der stark von der Binnenwirtschaft getragene Dienstleistungssektor. Hier gibt der Index lediglich um 7,3 Zähler auf 96,6 Punkte nach.
Stimmungsbarometer Mittelstand

Verarbeitendes Gewerbe beklagt aktuelle und künftige Geschäftslage

Viele Unternehmer sind mit der aktuellen Geschäftslage nicht zufrieden. Jeder vierte bis fünfte Mittelständler (22%) bemängelt seine geschäftliche Situation. In der letzten Befragung vor sechs Monaten waren erst 15% dieser Ansicht. Erneut legte der Anteil der unzufriedenen Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe zu, der sich sogar auf 28% verdoppelte. Gute Noten vergeben insgesamt weniger Unternehmer: Nur jeder dritte Befragte bewertet die Lage als gut (30%; i.Vj. 38%) oder sehr gut (5%; i.Vj. 8%).

Schlechter noch als die aktuelle Geschäftslage wird die Situation für die kommenden Monate eingeschätzt. Fast ein Drittel der Unternehmen (30%; i.Vj. 12%) rechnet mit einer schwächeren Entwicklung, während nur noch jeder Siebte (14%; i.Vj. 24%) anziehende Geschäfte erwartet. Insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe verdunkelten sich die Geschäftsaussichten. Doch auch im Bau- und Ausbaugewerbe sowie im Handel wuchs die Zahl der Pessimisten.

Unternehmen fahren Investitionen zurück

Die Abkühlung der Konjunktur und die Sorgen vor einer weltweiten Rezession haben die Investitionsbereitschaft im Mittelstand derart beeinträchtigt, dass erstmals wieder mehr Unternehmen ihre Investitionen reduzieren statt ausweiten. So investierte mehr als jeder fünfte Unternehmer (22%) weniger, während nur 20% ihre Investitionen erhöhten. In der letzten Befragung lagen die Werte noch bei 21% sowie 28%. Insbesondere das Verarbeitende Gewerbe zeigt eine geringere Investitionsbereitschaft. Von den investierenden Unternehmen ersetzen fast zwei Drittel (64%) bestehende Anlagen. Der Anteil der Firmen mit Erweiterungsinvestitionen sank geringfügig auf 25%, während die Rationalisierungsinvestitionen mit 11% leicht zulegten. Im Rahmen ihrer Investitionstätigkeiten haben lediglich 6% der befragten Unternehmen auf öffentliche Fördermittel zurückgegriffen.

Auch die Planungen für die kommenden Monate sind von Investitionskürzungen geprägt. Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen (39%; i.Vj. 28%) will die Investitionsausgaben zurückfahren, während lediglich 13% (i.Vj. 16%) eine Budgetaufstockung beabsichtigen.

Jedes fünfte Unternehmen plant Entlassungen

Auf dem Arbeitsmarkt scheint inzwischen ein Wendepunkt erreicht zu sein. Nachdem in den letzten Jahren mehr Unternehmen ihr Personal aufstockten, halten sich die Unternehmen mit Personalaufstockungen und die Firmen, bei denen Entlassungen überwiegen, mit jeweils 17% nun die Waage. Zuvor hatten 23% der Mittelständler mehr Arbeitskräfte eingestellt und überwiegend 14% entlassen. Nur im Dienstleistungsgewerbe und im Handel überwiegt noch der Anteil Mitarbeiter einstellender Betriebe.

Auch die Personalplanungen für die nächsten Monate lassen eher einen Beschäftigungsabbau erwarten. Insgesamt erwägen 9% der mittelständischen Unternehmen, ihr Personal aufzustocken, während jeder fünfte Befragte (20%) Entlassungen plant. Mit einer geringeren Stellenzahl rechnen vor allem das Verarbeitende Gewerbe sowie die Bau- und Ausbaubetriebe. Insgesamt 71% der Unternehmen gehen allerdings von einer unveränderten Beschäftigtenzahl aus.

Eigenkapitalquoten leicht gesunken

Die negative Wirtschaftsentwicklung beeinflusst die Eigenkapitalausstattung der Mittelständler: Die Zahl der Unternehmen mit knappen Eigenkapitalquoten nahm zu, während die Zahl der Betriebe mit komfortableren Eigenkapitalquoten zurückging. So wuchs der Anteil der Firmen mit geringen Eigenkapitalquoten zwischen 10% und 20% von 24% auf 26%. Mit einer Eigenkapitalquote von weniger 10% müssen sich inzwischen 25% der Befragten begnügen (i.Vj. 22%). Hingegen verfügen weniger als ein Drittel (32%) der Betriebe über eine Eigenkapitalquote von über 30% (i.Vj. 35%).

Unter den Dienstleistern sowie im Bau- und Ausbaugewerbe sind die meisten Unternehmen nur mit einer dünnen Eigenkapitaldecke ausgestattet. Doch viele Mittelständler sind sich des Problems nicht bewusst. Denn nur 15% bezeichnen ihre Eigenkapitalquote als unbefriedigend. Demnach sehen auch nahezu zwei Drittel der Unternehmer (63%; vormals 59%) keinen zusätzlichen Eigenkapitalbedarf. Gut ein Drittel (37%; vormals 41%) will in den kommenden Monaten das Eigenkapital aufstocken. Davon planen 93% Zuführungen aus dem Gewinn und jeder Elfte (9%) zieht eine stärkere Beteiligung anderer Gesellschafter in Betracht.

Schwache Auftragslage belastet Mittelstand

Nachdem hohe Energiekosten sowie Rohstoff- und Materialkosten den Unternehmen im Sommer 2008 die größten Probleme bereitet haben, macht nun die Auftragslage den Mittelständlern besonders schwer zu schaffen. Während in der letzen Befragung noch knapp jeder vierte Mittelständler (24%) zu wenige Aufträge beklagte, sind es inzwischen bereits 42%. Hohe Steuern belasten 37% der Befragten. Nach wie vor hat jedes dritte Unternehmen (33%) mit hohem Konkurrenzdruck zu kämpfen. Von 20% auf 31% sprang der Anteil der Unternehmen, die die Zahlungsmoral ihrer Kunden bemängeln. Bürokratische Auflagen bezeichnen 30% als problematisch (i.Vj. 26%). Dagegen haben steigende Kosten wesentlich an Bedeutung verloren. Hohe Energiekosten beanstandet aktuell jeder vierte Befragte (25%; i.Vj. 47%), während jedem Fünften (21%; i.Vj. 43%) Rohstoff- und Materialkosten Sorgen bereiten.

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