Mittelstand von Finanzmarktkrise bisher wenig betroffen

Mittelstand von Finanzmarktkrise bisher wenig betroffen

* Ausweitung der Finanzkrise erwartet
* Finanzierungsbedingungen noch wenig verändert
* Kreditklemme befürchtet
* Staatliche Interventionen begrüßt

Düsseldorf, 7. April 2009. Die mittelständischen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen sahen sich zum Jahreswechsel erst wenig von der Finanzmarktkrise getroffen. Vier von zehn Befragten (41%) registrierten lediglich geringe bis sehr geringe Auswirkungen auf die eigene Geschäftsentwicklung. Dies ist ein Ergebnis der Unternehmensbefragung, die die WGZ BANK in Zusammenarbeit mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken im Rheinland und in Westfalen halbjährlich durchführt. Knapp jeder dritte Mittelständler (32%) schätzt die Folgen der Finanzkrise als mäßig ein, während jeder Fünfte (20%) seine Geschäfte bereits stark bis sehr stark beeinträchtigt sieht.
Obgleich die Unternehmer bisher kaum Auswirkungen spürten, sind fast alle davon überzeugt, dass sich die Finanzmarktkrise fortsetzen wird (90%). Eine breite Mehrheit (57%) erwartet sogar eine Ausweitung der Krise. Gegenteiliger Meinung sind nur 17% der Mittelständler, während 26% sich hier nicht festlegen. Großes Einvernehmen besteht auch bezüglich der Annahme, dass sich die Finanzkrise bereits deutlich auf die Realwirtschaft ausgewirkt hat (83%). Dass die Wirtschaft künftig noch stärker beeinträchtigen werde, meinen gut drei Viertel der Befragten (76%).

Finanzierungsbedingungen noch wenig verändert

Die Finanzierungsbedingungen haben sich für die Mehrheit der Unternehmen (68%) bislang nicht verändert. Nur jeder sechste Mittelständler (17%) meint, dass sich die Situation bereits verschlechtert habe. Davon stellen jeweils mehr als die Hälfte der Mittelständler eine Beeinträchtigung durch eine restriktivere Kreditvergabe (57%) sowie verschärfte Kreditkonditionen (56%) fest. Fast jeder Zweite (45%) spürt strengere Finanzierungsbedingungen aufgrund zusätzlich geforderter Sicherheiten. In der Folge haben nahezu zwei Drittel der betroffenen Mittelständler (62%) ihre Investitionsvorhaben zurückgestellt. Auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze verzichtet fast die Hälfte der Unternehmer (46%), wobei ein Drittel (33%) sogar Personal abbaut. Auf alternative Finanzierungsformen wie Gesellschafterdarlehen, Lease-back-Verfahren oder Factoring greifen 30% zurück. Ähnlich würden die Unternehmen (mit unveränderten oder gar verbesserten Finanzierungsbedingungen) reagieren, falls sich die Konditionen künftig verschärfen werden. Nahezu die Hälfte (46%) erwartet allerdings keine ungünstigeren Finanzierungsbedingungen, wohingegen fast jeder Dritte (32%) dies sehr wohl befürchtet.

Ungünstigere Konditionen oftmals Grund für Bankwechsel

Einer möglichen Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen würde die Hälfte der Mittelständler (50%) nicht mit einem Wechsel der Bankverbindung begegnen. Dagegen erwägen 42% einen Wechsel. Unternehmer, die bereits verschärfte Bedingungen registrieren, äußern sich deutlicher. Hier sehen sich 25% veranlasst, die Bankverbindung zu wechseln. Für zwei Drittel der Unternehmen (66%) sind schlechtere Finanzierungsbedingungen kein Grund für einen Wechsel.

In der Vergangenheit war die Verbriefung von Krediten für Banken ein beliebtes Mittel, um die eigenen Bilanzen zu entlasten. Dies ist inzwischen ebenso umstritten wie ein Verkauf von Darlehen an Dritte. Würde die Bank garantieren, auf solche Instrumente zu verzichten, wären 26% der mittelständischen Unternehmen bereit, hierfür ein Agio zu zahlen. Eine klare Mehrheit der Befragten (59%) würde dies allerdings ablehnen.

Kreditklemme befürchtet

Trotz kaum veränderter Finanzierungsbedingungen für die meisten Mittelständler blieben die Antworten hinsichtlich der Existenz einer Kreditklemme uneindeutig: 42% der Unternehmer behaupten, in Deutschland gebe es bereits eine Kreditklemme. Dieser Aussage stimmen 17% nicht zu. Mehr als jeder Dritte (39%) wollte sich zu diesem Thema nicht festlegen. Größere Zustimmung fand die Behauptung, dass die Gefahr einer Kreditklemme bestehe (52%). Gegenteiliger Auffassung sind 15% der Mittelständler, während dies jeder Dritte (33%) dies weder bejahen noch verneinen wollte.

Staatliche Interventionen begrüßt

Zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage könnten staatliche Interventionen wie das Rettungspaket der Bundesregierung für die Banken und das beschlossene Konjunkturpaket beitragen. Das zumindest glauben knapp zwei Drittel (63%) der mittelständischen Unternehmen. Mehr als jeder fünfte Befragte (22%) steht diesen Maßnahmen skeptisch gegenüber. Ebenso viele (22%) zeigten sich unentschieden. Für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zeigen sich die befragten Mittelständler weniger pessimistisch als viele Wirtschaftsforscher. So meinen 42% der Befragten, die deutsche Wirtschaft werde 2009 um mehr als 1% schrumpfen. Annähernd jeder Vierte (24%) glaubt, dass sich das Minus zwischen 0,1 und 1% bewegen wird. Jeder fünfte Befragte (21%) geht von einer Stagnation aus. Ein Wirtschaftswachstum von 0,1 bis 1% prognostizieren 7% der Unternehmer. Offenbar führt die binnenwirtschaftliche Ausrichtung vieler Mittelständler zu dieser vergleichsweise optimistischen Einschätzung.

Comments are closed.