Die deutsche Zahlungsbilanz im Dezember 2008

Die deutsche Zahlungsbilanz im Dezember 2008

Leistungsbilanzüberschuss gestiegen
Der Überschuss in der deutschen Leistungsbilanz ist im Dezember 2008 ‑ gemessen an den Ursprungsdaten ‑ mit 12,3 Mrd € um 3,6 Mrd € höher ausgefallen als im Vormonat. Ausschlaggebend dafür war die deutliche Ausweitung des Aktivsaldos im Bereich der „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen, welche Dienstleistungen, Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie laufende Übertragungen umfassen. Demgegenüber ging der positive Saldo in der Handelsbilanz zurück.

Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes verminderte sich der Überschuss im Außenhandel im Dezember gegenüber dem Vormonat um 3,0 Mrd € auf 6,9 Mrd €. Nach Ausschaltung von Saison- und
Kalendereinflüssen nahm er um 0,2 Mrd € auf 10,7 Mrd € ab. Dabei verringerten sich die wertmäßigen Einfuhren (-4,1 %) stärker als die Ausfuhren (-3,7 %). Im letzten Jahresviertel lagen die nominalen Exporte saisonbereinigt um 8,4 % und die Importe um 8,9 % unter dem Durchschnitt des Sommerquartals. Die Rückgänge waren bei den Ausfuhren zu knapp einem Viertel preisbedingt und bei den Einfuhren zu mehr als vier Fünfteln auf die anhaltend starke Verbilligung von Energieträgern und anderen Rohstoffen zurückzuführen.

Der positive Saldo bei den „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen erhöhte sich im Dezember um 6,0 Mrd € auf 6,1 Mrd €. Dazu haben Verbesserungen in allen drei Teilbilanzen beigetragen. Bei den laufenden Übertragungen und den Dienstleistungen wurde ein Umschwung zu einem Überschuss von 0,9 Mrd € bzw. 0,6 Mrd € verzeichnet, nach Passivsalden von zuletzt 3,7 Mrd € und 0,4 Mrd €. Die Netto-Einnahmen aus grenzüberschreitenden Faktoreinkommen stiegen um 0,4 Mrd € auf 4,6 Mrd €.

Netto-Kapitalexporte im Wertpapierverkehr
Im grenzüberschreitenden Wertpapierverkehr kam es im Dezember zu Netto-Kapitalexporten (11,1 Mrd €), nach Netto-Kapitalzuflüssen in Höhe von 29,2 Mrd € im November. Dabei verringerten ausländische Kapitalanleger ihr Engagement in hiesigen Wertpapieren um 25,3 Mrd €. Sie veräußerten in erster Linie Schuldverschreibungen (24,3 Mrd €), und zwar per saldo ausschließlich private Anleihen (26,8 Mrd €). Ferner gaben sie deutsche Dividendentitel ab (2,3 Mrd €). Zugleich reduzierten allerdings auch inländische Anleger ihre grenzüberschreitenden Wertpapierbestände (14,2 Mrd €). Sie trennten sich von ausländischen Geldmarktpapieren (11,7 Mrd €) und Anleihen (7,9 Mrd €). Hingegen erwarben sie in geringem Umfang Aktien (1,2 Mrd €) und Investmentzertifikate (4,2 Mrd €).

Im Bereich der Direktinvestitionen wurden im Dezember leichte Netto-Kapital­exporte verzeichnet (0,4 Mrd €, nach 7,5 Mrd € im November). Dabei zogen sowohl deutsche Firmen (3,7 Mrd €) als auch ausländische Eigner (4,2 Mrd €) Mittel bei ihren jeweiligen Auslandsniederlassungen ab; dies geschah vorwiegend über konzerninterne Kredittransaktionen. Deutsche Direktinvestoren des Finanzsektors nahmen darüber hinaus in großem Umfang grenzüberschreitende Umstrukturierungen ihrer Beteiligungen vor, die sich jedoch im Ergebnis kaum auf die Zahlungsbilanz auswirkten.

Der übrige statistisch erfasste Kapitalverkehr, der sowohl Finanz- und Handelskredite (soweit diese nicht zu den Direktinvestitionen zählen) als auch Bankguthaben und sonstige Anlagen umfasst, wies im Dezember Netto-Kapitalabflüsse in Höhe von 25,3 Mrd € auf. Bei Nichtbanken kamen allerdings Gelder im Umfang von 2,1 Mrd € auf. Ausschlaggebend waren Mittelzuflüsse bei Unternehmen und Privatpersonen in Höhe von 5,2 Mrd €. Diese reduzierten – wie zum Jahresende üblich – insbesondere ihre Guthaben bei ausländischen Banken. Die grenzüberschreitenden Dispositionen öffentlicher Haushalte führten hingegen zu Mittelabflüssen (3,1 Mrd €). Das Bankensystem insgesamt verzeichnete im Dezember Kapitalexporte in Höhe von netto 27,4 Mrd €. Ausschlaggebend waren Transaktionen über Konten der Bundes­bank (24,4 Mrd €), wovon der überwiegende Teil auf den Aufbau von Forderungen im Rahmen des Großbetragszahlungsverkehrssystems TARGET2 entfiel. Dieser hat üblicherweise nur transitorischen Charakter. Bei Kreditinstituten flossen 3,0 Mrd € (netto) ab.

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