Steuersenkung könnte Konsum ankurbeln

Steuersenkung könnte Konsum ankurbeln

• Drei Viertel der Bürger würden zusätzliches Geld ausgeben
• Frauen kaufen eher Kleidung, Männer ein Auto
• Sicherheit ist bei den Sparern Trumpf

Düsseldorf, 17. November 2008. Die Mehrheit der Bundesbürger würde zusätzlich verfügbares Einkommen eher ausgeben statt zu sparen. Angenommen die Bundesregierung würde jedem Bürger 2.000 Euro schenken, dann würden mehr als drei Viertel (78%) zumindest einen Teil dieses Geldes für den Kauf von Waren oder Dienstleistungen verwenden. Dies ergab eine repräsentative Befragung von 1.000 Bundesbürgern, die im Auftrag der WGZ BANK von der GfK durchgeführt wurde. Stefan Grothaus, Volkswirt der WGZ BANK: „Eine entsprechende Steuerentlastung der Bürger könnte die inländische Nachfrage beflügeln und die nachlassende Nachfrage aus dem Export zumindest teilweise ausgleichen.“

Jedoch zeigt die Befragung auch, dass immerhin jeder vierte Bürger (24%) das Geldgeschenk zur Bezahlung dringender Rechnungen nutzen würde. Offenbar belasteten die höheren Kosten wie beispielsweise für Lebensmittel und Energie in dem Maße, dass bestimmte Ausgaben zurückgestellt wurden.

Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten (55%) entschied sich dafür, zusätzliches Geld oder einen Teil dieses Geldes zurückzulegen. „Trotz der sinkenden Wirtschaftsleistung und den zu erwartenden Arbeitsplatzverlusten ist die Verunsicherung der Bürger offenbar nicht so groß wie befürchtet“, so Grothaus.

Frauen würden eher in Kleidung, Männer in Autos investieren

Mehr als ein Viertel der Bürger, die die von der Bundesregierung bereitgestellten 2.000 Euro ausgeben würden, denken dabei an eine Urlaubsreise. Knapp jeder vierte Befragte (24%) würde damit dringende Rechnungen bezahlen. Größere Anschaffungen wie Autos, Möbel oder Computer beispielsweise kommen für jeden Fünften (20%) in Frage. Jeder Siebte (14%) zieht den Kauf von Kleidung in Betracht, während nur 13% zusätzliches Geld in Renovierung oder Umbau von Haus oder Wohnung investieren würden. Letzteres führt zu der Frage, ob die im Zuge des neuen Konjunkturpaketes verbesserte Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen zu erhöhten Ausgaben führen wird.

Bei Betrachtung der einzelnen Merkmale wie Geschlecht oder Alter ergibt sich allerdings ein differenziertes Bild. So würden 27% der männlichen Befragten dringende Rechnungen bezahlen (Frauen: 22%), während knapp ein Drittel der Frauen eine Urlaubsreise antreten würde (30%, Männer: 25%). Der Kauf von Kleidung wird von fast jeder fünften Frau (19%) genannt, aber nur von jedem zehnten Mann. Dagegen würde fast jeder vierte männliche Befragte (23%) den Erwerb von Autos, Möbeln oder Computer favorisieren, aber nur 17% der Frauen würden solche Anschaffungen anstreben.

Als besonders konsumfreudig erscheinen die Befragten im Alter von 20 bis 29 sowie von 30 bis 39 Jahren. Mit 86% liegen beide Altersgruppen deutlich über dem Durchschnitt (78%) derer, die das Geldgeschenk für Konsumzwecke verwenden wollen. Allerdings würden zwei von fünf der 30- bis 39-Jährigen mit dem Geld auch fällige Rechnungen bezahlen (40%), wohingegen sich ähnlich viele 20- bis 29-Jährige größere Anschaffungen leisten würden. Mit zunehmendem Alter nimmt die Anschaffungsneigung deutlich ab. Für viele 60- bis 69-Jährige (38%) ist vor allem die Reise in den Urlaub von Bedeutung.

Überdurchschnittlich viele Bürger (91%) mit geringem Nettoeinkommen (< 749 Euro) würden das geschenkte Geld ausgeben, zwei Drittel (66%) würden zumindest einen Teil davon sparen. Dass die Ausgaben der Geringverdiener zu einer spürbaren Konsumbelebung beitragen, ist wohl eher unwahrscheinlich: Annähernd die Hälfte der Befragten (48%) gibt an, mit dem Geld ausstehende Rechnungen begleichen zu wollen.

Sicherheit ist beim Sparen Trumpf

Die Bürger, die das zusätzliche Geld vollständig oder teilweise sparen wollen (55%), bevorzugen dabei sichere oder kurz laufende Investments. Mehr als jeder vierte Befragte (28%) favorisiert das Sparbuch, den Sparbrief oder die Anleihe als Anlageform, gefolgt von Tagesgeld und Girokonto (beide 14%). Lediglich 1% der Bundesbürger würden Investmentfonds kaufen; ebenso wenige würden sich für Aktien entscheiden.

Auffällig ist, dass von den Befragten mit einem Haushalts-Nettoeinkommen von weniger als 749 Euro rund die Hälfte ihre zusätzlichen Ersparnisse auf dem Girokonto oder als Tagesgeld nur sehr kurzfristig anlegen würde. Dagegen würden 45% der Befragten mit einem Einkommen von 1.000 bis 1.249 Euro ihr Kapital etwas längerfristiger in Sparbücher, Sparbriefe oder Anleihen investieren.

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